Donnerstag, 16. August 2007

Prussian Blue: Endkampf im Dirndl

"Was mich nicht umbringt, macht mich nur härter" – Nietzsches Slogan für ein gefährliches Leben scheint auch die Freunde rechtsradikalen Singsangs zu motivieren. Dass Neonazis musikalisch nicht an vorderster Front dabei sind, ist nichts Unbekanntes, rumpeln ihre Lieblingsbands wie Endstufe oder Störkraft doch noch immer durch den Schrotthaufen, den Punkrock und Oi hinterlassen haben.

Bekannt wurden Prussian Blue hierzulande Ende 2005 unter anderem durch dieses Foto, für das die damals 13-Jährigen keck mit Onkel Adolf auf dem T-Shirt posierten. (Quelle: Metapedia) Aber der klägliche Folkrock-Sound des amerikanischen Mädchenduos Prussian Blue müsste für den braunen Kameraden, der bei TobWütBrüll in der Moshpit seinen wackeligen Charakterpanzer aufzurüsten versucht, schon an "Wehrkraftzersetzung" grenzen. Dennoch waren die "Nazi Pop Twins", so der Titel einer Channel-4-Dokumentation über sie, auf Sommerfesten der NPD dieser Tage als Headliner ausgerufen. Am 4. August spielten sie beim von den Jungen Nationaldemokraten angemeldeten "Sachsentag" in Dresden-Pappritz (siehe "Jungle World"-Bericht) und eine Woche später, am 11. August, beim "Sommer- und Familienfest der NPD Saar" in Rehlingen-Siersburg.

Die Zwillingsschwestern Lynx Vaughan und Lamb Lennon Gaede, geboren am 30. Juni 1992, die hinter dem Duo stehen, dienen den Rechtsradikalen in den USA als hübschen Goldkehlchen, die vom Bonehead-Image von Teilen der sonstigen Gefolgschaft ablenken sollen. Unter der Regie ihrer Mutter April Gaede, die auch zum Teil die Schulerziehung in Eigeninitiative durchgeführt hat (und wahrscheinlich auch die ideologische Indoktrination), durften die beiden die Bekanntschaft einiger illustrer Gestalten der internationalen rechten Szene machen.

Holocaustleugner, Ku-Klux-Klan-Führer, Rassenkriegfantasten: Zu süßen Mädchenstimmen hasst es sich einfach besser.

David Duke, ehemaliger Ku-Klux-Klan-Führer in Louisiana, Autor antisemitischer Verschwörungstheorien, Teilnehmer der sogenannten "Holocaust-Konferenz" in Teheran im Dezember 2006 und rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe verurteilter Steuerbetrüger, hat die Mädchen als Vorband für seine eigenen Auftritte eingesetzt. Und der Brite David Irving kam Ende 2006, frisch aus der Haft entlassen, bei den Gaedes vorbei – er hatte in Österreich wegen der Leugnung der Vernichtung der europäischen Juden 13 Monate von drei Jahren Gefängnisstrafe absitzen müssen.

Zu Irvings "geschichtsrevisionistischen" Ansichten passt es, dass der Name des Duos, Prussian Blue, nicht nur die Abstammung der Gaedes von deutschen Einwanderern repräsentieren soll. Nein, er soll auch noch, wie eine von den beiden in einem Interview dem "Vice Magazine" sagt, einen, nun ja, Denkanstoß geben. "There is also the discussion of the lack of 'Prussian Blue' coloring (Zyklon B residue) in the so-called gas chambers in the concentration camps. We think it might make people question some of the inaccuracies of the 'Holocaust' myth." Teenies, die nicht nur auf Spaß aus sind, sondern auch mal nachfragen – schade, dass Opa das nicht mehr erleben darf.

Half den Twins auf die Sprünge: William L. Pierce (1933–2002), US-Neonazi-Autor und Gründer der National Alliance (YouTube-Video-Screenshot).

Ein Nazi-Opa ohne Wehrmachtsvergangenheit, aber mit der rechten Gesinnung, hat jedoch ganz genau aufgepasst, als er die Zwillinge auf einer Bühne sah: William Luther Pierce (1933–2002). 2001 war das, beim "Eurofest", einer Veranstaltung der amerikanischen rechtsextremen Organisation National Alliance, die der ehemalige Physikprofessor Pierce, ein selbst erklärter Nationalsozialist, Mitte der 70er-Jahre gegründet hatte. Die volkstümlich aufgebrezelten Gaede-Kinder trällerten dort, wie Aaron Gell in einer Reportage für die US-"GQ" (März 2006) schreibt, eine A-capella-Version des Songs "Ocean Of Warriors" der britischen Neonazi-Band Brutal Attack ("Ready to kill with their fists of steel, ready to fight to cure our nations ills, white resistance has risen ..."). Und Pierce erkannte in ihnen – jung, hübsch, blond, blauäugig, in Dirndln – "a PR dream come true".


Jung, hübsch, blond, blaue Augen, im Dirndl – Prussian Blue sind die PR-Wunderwaffe der US-Neonazis:
"Ethnic cleansing's hottest act." (GQ)


Pierce war der Kontakt zur rechtsextremen Szene, der die Karriere von Prussian Blue unter der Ägide ihrer ehrgeizigen Mutter ins Laufen brachte. Beim Plattenlabel Resistance Records der National Alliance kamen, als die Nazi-Popper halbwegs ihre Instrumente beherrschten, die Alben "Fragment Of The Future" (2004) und "The Path We Chose"(2005) heraus, und die transatlantischen Beziehungen der US-Rechtsextremen zu den Kameraden von der NPD (die NA organisierte während des NPD-Verbotsantrags des deutschen Bundestages in den USA Solidaritätsdemonstrationen, Pierce selbst kam zu NPD-Veranstaltungen nach Deutschland) haben Prussian Blue nun auch hierzulande ein Standbein verschafft. Nicht nur durch die Auftrittsmöglichkeiten bei Sommerfesten der Rechtsradikalen, das NPD-Organ "Deutsche Stimme" hat auch 2006 den Vertrieb des Prussian-Blue-Albums "For The Fatherland" in Europa übernommen. Auf dem finden sich die Songs der Veröffentlichung von 2005, abzüglich von drei Liedern, die von der "oppressive German government" indiziert wurden, wie es in dem mittlerweile stillgelegten Blog http://prussianbluefan.blogspot.com hieß.

William Pierce wurde für seinen "großmütigen" Einsatz die ganz besondere Ehre zuteil, im Text des Prussian-Blue-Songs "Sacrifice" als Vorkämpfer der "weißen Rasse" gelobt zu werden – Seit' an Seit' mit Rudolf Heß, "man of peace". Eher weniger friedlich geht es aber in den "Turner Diaries" zu, einem abstoßenden rassistischen und antisemitischen Machwerk, das Pierce 1978 unter dem Pseudonym Andrew Macdonald veröffentlicht hat. Darin nimmt er fiktional eine "weiße Revolution" in den USA vorweg, bei der ein eliminatorischer "Rassenkrieg" mit einem Atomschlag auf "Jewish New York" gekrönt wird.


Visionen vom Endkampf götterdämmern durch die Songtexte. Nach dem blutigen Sieg geben die blonden Mädels mit der Fiedel der Natur den letzten Rest.

Auch die Songs von Prussian Blue durchwabern apokalyptische Visionen vom Endkampf. So heißt es in den Lyrics von "Victory Day": "Soon will come a great war, a bloody but holy day. And after that purging our people will be free, and sing up in the bright skies, a sun for all to see." Im dazugehörigen Video malträtieren die Zwillinge in hübschen Kleidchen oder als lebendig gewordene BDM-Fantasien mit Fiedel und Klampfe die wehrlose Natur. Mit dabei: das dritte Gaede-Schwesterlein, das sinnigerweise (und in einem Akt mütterlicher Grausamkeit) "Dresden" getauft wurde – und als Wonderkid der "arischen Rasse" schon im Kleinkindalter einen Blog führt.

Weniger vom letzten Gefecht, mehr vom als erniedrigend empfundenen tagtäglichen Kampf mit den eigenen Drüsen, Säften und klebrigen Gedanken handeln viele der Kommentare der national Bewegten, die man auf Altermedia, dem unbeholfenen rechtsradikalen Pendant zur linken Plattform Indymedia, unterhalb des Postings zum "Sachsenfest" findet. "Pöööhse Gedankengänge, gesteuert aus unterer Etage", wie ein Leser namens "Olsen" bekennt. Anlass der Debatte: Ein ungenannter "Kamerad" hat sich tatsächlich mit den mittlerweile nicht mehr so grazilen, aber immer noch minderjährigen Blondinen von Prussian Blue ablichten lassen, wobei er in Big-Daddy-Pose seine Arme um die armen Geschöpfe legt. Ein Kommentarschreiber befürchtet, dass den Nationaldemokraten daraus ein weiterer Imageschaden erwachsen könnte. Hat doch im November 2006 der sächsische NPD-Landtagsabgeordnete Matthias Paul sein Mandat niedergelegt, als bekannt wurde, das gegen ihn wegen des Besitzes von Kinderpornografie ermittelt wird.

4 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Habe - darauf MUSS ich einfach hinweisen, weil sonst niemand was von dem Blatt wissen will - erstmals in der EMMA von den Nazi-Twins gelesen, vor einem Jahr oder so. Aber noch nirgendwo so aufschlussreich und Info-voll wie hier.

Den Prussian Blue-BLOG habe ich mal angeklickt - unter "Interessen" sind dort EUROPEAN CULTURE und FREEDOM OF SPEACH angegeben. Und beim DRESDEN-Baby-BLOG ist mir fast am allerschlechtesten geworden. Hast Du die Bilder des blonden Balgs im Wikinger-Kostüm gesehen?

Gibt es die Vikinger Jugend eigentlich noch? Ich glaube nicht ... oder?

Bitte weiterinformieren. Wo kann man sich hier anmelden?

Learnmore Disa hat gesagt…

Sein nichts ahnendes Kind mit einem Blog in der Öffentlichkeit zu präsentieren - nun ja, das ist Geschmackssache. Richtig fies wird es allerdings, wenn man sich mal die Contributors des Dresden-Blogs genauer anschaut. Einer, der sich Ace Lannigan nennt, hat auf seiner Website ein Musikvideo mit dem Titel "Tanzen macht frei", für das KZ-Fotos missbraucht wurden. Ekelhaft. Merke: Für menschenverachtetende "Witze" kann man auch als Neonazi mal so tun, als hätte es die Schoah gegeben.
Zu deiner Frage: Niemand muss sich anmelden, um die Headquarters of Crocodiles zu lesen oder zu kommentieren. Solltest du aber das Einrichten eines Abos gemeint haben, dafür gibt es den "Subcribe" -Link in der Seitenleiste.

Anonym hat gesagt…

Laß doch die Mädchen singen !
Warum sollen diese hübschen, talentierten Deutsch-Amerikanerinnen nicht singen ?
Wo bleibt da die "Demokratie" ?
Volkstümlich, anständig und mit reiner Stimme - das ist das Markenzeichen von Prussian Blue. Lynx und Lamb sind mir hunderttausend mal lieber, als bekiffte, mit Drogen vollgepumpte, vollgesoffene, gröhlende, ordinäre sogenannte Rock- und Popsänger! Die Musik von PRUSSIAN BLUE hat Ausdruck, Stil und Niveau, was man ja von der wenigsten Musik heutzutage behaupten kann.
Übrigens - der schlimmste Rassismus ist der, welcher in EINEM Volk geschürt wird, z.B. in den unsäglichen, gemeinen Hetzereien von BILD und Co. und Politikern gegen sogenannte OSSIS, also mitteldeutsche Landsleute ! Ihnen wird ständig alle Schuld in die Schuhe geschoben. Das ist PURE Volksverhetzung ! Und zwar die gemeinste Volksverhetzung, welche es auf der Welt gibt: um ein Volk und eine Nation zu entzweien und um Zwietracht zu säen.
Warum wird Volksverhetzung gegen das eigene Volk nicht bestraft ?

Darum: bevor ich das blödel, moderne Gedudel mir anhöre:
Dann lieber herzerfrischende, wohltuende und volkstümliche Lieder von Lynx und Lamb und die Offenheit, welche die Seele in ihren Augen spiegelt!
Die Musik von Lamb und Lynx sind ein Adlerflug in die Schönheit der Kultur....

Beste Grüße

Karl Kuhn

Es ist ein Glück, daß das wahre Genie auf Fingerzeige nicht viel achtet.
(Friedrich Schiller)

Learnmore Disa hat gesagt…

Diese Platte hab' ich schon mal gehört ...