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Montag, 30. Juli 2007

Popgefängnis-Update: A big audience is watching you

So viele Hobby-Gefängniswärter gab es noch nie: Ganze 2.640.334 Mal war bis gestern Nacht um 24.00 Uhr die "Thriller"-Choreografie der Häftlinge im CPDRC in Cebu, Philippinen, von Leuten im Netz gesehen worden.

Wahrscheinlich wegen der großen Nachfrage wurde die Embedding-Funktion für das Video ausgeschaltet, das heißt, auch das Videofenster im vorherigen Beitrag auf der Headquarters-Seite ist leider deaktiviert. Aber auf der Original-YouTube- Seite kann der Clip weiterhin angeschaut werden.

In die internationalen Medien (etwa BBC News) hat es Byron F. Garcia mit seiner Gefängnishofparade vergangene Woche ebenfalls geschafft, allerdings vor allem in die Rubrik Buntes. Viel Neues erfährt man daher nicht.

Garcia, so heißt es da, sei komplett überrascht vom Erfolg seiner Videos. Und er erzählt auch, wie stolz seine Häftlinge seien. Über ihr aktuelles YouTube-Ranking wollen sie auf dem Laufenden gehalten werden.

Bericht über die Anstalt in Cebu im YouTube-Videokanal von Al Jazeera English

Mehr Stoff gibt es von Al Jazeera English, dem englischsprachigen Kanal des arabischen TV-Senders. Der hat seine Asien-Korrespondentin Marga Ortigas, ehemals CNN, für eine Kurzreportage ins Detention Center geschickt. Ihr erzählt Garcia ein weiteres Mal, wie gut sich Musik und Tanzen für die Disziplinierung von Unruhestiftern eignen.

Montag, 23. Juli 2007

Shocking Asia: Zombies im Popgefängnis

Hunderte von philippinischen Knastis im Guantánamo-Orange spielen Michael Jacksons "Thriller"-Videoclip nach, in verrenkten Posen schlurfen sie zunächst als Romero-Zombies durchs Bild, bis sie in einer Massenchoreografie abtanzen, die auch dem "geliebten Führer" Kim Jong-il gefallen könnte. Der weibliche Part wird von einem Mann gespielt, der seine langen Haare zum Zopf gebunden hat und ein weißes Top trägt. Das ist lustig.

Können nicht nur Steine schleppen und Straßen bauen: Häftlinge in Cebu dienen als Performancevieh

Im Ranking der am meisten gesehenen YouTube-Videos ist "Thriller" seit Veröffentlichung steil nach oben marschiert. Ja, es ist eine fremde, seltsame Welt da draußen, die hier eingefangen wird, ein wenig wie "Shocking Asia" aus dem hintersten Schundregal der Videothek, wo die "Mondo"-Filme stehen aus den Zeiten, als der fucking crazy shit, Tier- und Menschenquälerei, nicht nur ein paar Klicks im Internet entfernt und abrufbar war.

Und die ganz gewöhnliche Web-2.0-Dumpfbacke applaudiert recht euphorisch und ruft nach mehr, weil da ein Spaßvogel seine Machtposition missbraucht, um sich seine 15 Minuten Ruhm im World Wide Web abzuholen.

Denn der Mann, der das Video in seinen Channel auf YouTube gestellt hat, Byron F. Garcia, ist nicht irgendein Amateurfilmer, sondern der Direktor der Strafanstalt Cebu Provincial Detention and Rehabilitation Center (CPDRC), wo dieses Tanzspektakel neben anderen, zum Beispiel "Radio Gaga" von Queen, aufgezeichnet wurde.

Zudem arbeitet Garcia noch als "Consultant of Security" für die Regierung der Provinz Cebu, an deren Spitze seine Schwester Gwendolyn "Gwen" F. Garcia als Gouverneurin sitzt. Und weil der Garcia-Clan noch mehr hungrige Mäuler zu versorgen hat, gibt es da noch einen Bruder, Pablo John F. Garcia, als "Consultant on Information, Organization and Management". Man sieht: It’s a family affair.

CPDRC-Chef Byron F. Garcia tritt in seiner Funktion als Reformer auf. Er hat sich unter anderem für die Ausstattung der Wärter mit Gummigeschossen eingesetzt und vertraut darauf, dass Zucht und Ordnung nicht funktionieren, wenn sie keinen Spaß machen. In einem Artikel schreibt er:

"Security must be approached not only physically but also from the cultural and behavioral context. Inmates at the CPDRC are required to go through a workout regimen. While the goal is to keep the body fit in order to keep the mind fit, such may not actually happen if it is not done in a manner deemed pleasurable. Music, being the language of the soul, is added to that regimen."

Außerdem gelte es, mahnt Garcia, die Selbstorganisation der Häftlinge zu verhindern, da diese zwangsläufig in Gangkultur ausarte. Eine Gangkultur scheint Garcia in seinem Knast aber zu dulden – seine eigene. Adam Jasper, der für "Viceland" in Gonzo-Manier eine Fotoreportage aus dem philippinischen Pop Prison zusammengeschustert hat, zeigt den Menschendesigner inmitten einiger weiblicher Häftlinge, die auf ihrem Schulterblatt eine Gangtätowierung tragen: "ein Schwert als Waage der Justitia und eine rote Rose mit Dornen" und darunter – der Name von Byron F. Garcia!

Aus diesem beschwingten Umerziehungslager wird man sicher noch mehr zu sehen und zu hören bekommen. Die Headquarters of Crocodiles haben ihre Spitzel schon alarmiert ...