Posts mit dem Label Blogger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Blogger werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Montag, 14. April 2008

New kid on the block

mo_kidding_self_portraitWir begrüßen einen Neuzugang bei Blogspot: Mo Kidding, Buchautorin, Journalistin, begnadete Tänzerin, Noch-Charlottenburgerin und eine geschätzte Freundin. Dazu die einzige Person, der wir durchgehen lassen, dass sich auf ihren Mix-CDs Caterina Valente und MC5 einander auf die Füße treten.

Das Web 2.0 ist aber nichts Neues für die Dame. Als Anlaufstelle für die Hundertschaften der Sixties-Retro-, Garage-Rock-, Northern-Soul- Anhänger im Netz (und als ihre Archivarin) hat Mo Kidding mit ihrer MySpace-Seite Unerhörtes geleistet. Jedes Foto, das in den 60er-Jahren geschossen wurde, wurde mindestens einmal durch ihren Kommentarteil gejagt.

Wir sind gespannt, was sich Mo Kidding für ihren ersten richtigen Blog einfallen lässt. Was wir gerne bald lesen würden: die schonungslose Hintergrundstory zu "I Was A MySpace Wonder Girl".

(Foto: © Mo Kidding)

Mittwoch, 2. April 2008

Bloggen ohne Milch und Zucker

Intimitätsterror pur: Pornostar Dana DeArmond bestückt YouTube mit Katzenvideos.

Fotosafari im Eigenheim

Ich muss etwas gestehen: Ich bin relativ neu im Netz. Es ist noch nicht so lange her, dass ich über eine raketenschnelle Internetverbindung verfüge. Und Web 2.0 war noch zu Beginn des vorigen Jahres ein Wort, über das ich im Feuilleton gestolpert bin. Und das mich rasch weiterblättern ließ.

Was für Veteranen der Szene zum Alltag gehört, RSS-Feeds, embedded objects und überhaupt die Struktur eines Blogs, musste ich mir mühsam selbst beibringen. Auch der Jargon war mir fremd, zum Beispiel der Ausdruck "Katzencontent". Wer es noch nicht weiß: Dieser Fachbegriff steht für Überflüssiges. Er leitet sich von dem nicht so falschen Eindruck ab, dass die Mehrheit der Stubenhocker, die Videos oder Fotos ins Netz stellen, den ganzen Tag lang Peterle und Schnurri mit einem riesigen Arsenal an Aufzeichnungstechnologie hinterherhetzen – um dann von übellaunigen Kommentarschreibern der Tierquälerei bezichtigt zu werden.

Kein Schmusekurs

Solcherlei Getue ist für ernsthafte Blogger, die gerne mal den Nahost-Konflikt in einem Nebensatz lösen, schonungslos die Bush-Regierung kritisieren, indem sie ein paar paranoide Artikel verlinken, oder, andersherum, auf knallharten "liberal hawk" machen, indem sie Betriebsunfälle der amerikanischen Demokratie wie Ronald Reagan zu Freiheitshelden stilisieren, natürlich nur Paddeln in seichtem Gewässer.

Fazit: Ein Blog ohne Katzencontent ist so etwas wie Kaffee ohne Milch und Zucker oder House ohne Vocals, also eine Sache für echte Männer.

Bei so viel Machotum bleiben Gegenreaktionen nicht aus. Der Vorwurf, Vocals und ähnliches Disco-Tschingderassa seien in der elektronischen Musik so überflüssig wie die Handtaschen, die aufgebrezelte junge Damen aus den Vorstädten auf dem Dancefloor abstellen, um um sie herum zu tanzen, reizte Musikproduzenten in den frühen 90ern dazu, gerade diese Stilelemente zu betonen. Ihnen ging der Purismus auf die Nerven, das Schandmal "Handbag House" trugen sie mit Stolz auf die eigene, sogenannte Oberflächlichkeit – zum nachhaltigen Schrecken der Kapuzenpullifraktion in der Technoszene.

Der Killer in deinem Bett

Ähnlich gehen einige Blogger mit Katzencontent in die Offensive. Besonders gnadenlos war der mittlerweile pausierende Blog What Jeff Killed. "To humans, Jeff is an exceptionally good-tempered and friendly cat; to rodents and other small animals, he is death itself", stand da als Einführung zu lesen. Und was die pelzige Killermaschine erlegte, wurde mit Fotos dokumentiert (die man noch ansehen kann). Vorsicht bei flauem Magen!

Auf eine andere Weise over the top sind die Videos von Dana DeArmond (YouTube-Profil), die die amerikanische Sexfilm-Darstellerin beim Schmusen mit Kater Heinrich im Bett aufnimmt. Hier nimmt die dem Betrachter zugemutete Intimität wirklich pornografische Ausmaße an.

Montag, 28. Januar 2008

Bekenntnisse eines Amateurjournalisten

large office b/w

Nein, die Headquarters sind nicht verstummt, nur ein weniger leiser geworden – angesichts der Menge an Arbeit, und zwar bezahlter Arbeit, die mich in den vergangenen Monaten vom unbeschwerten Forschen und Schreiben im Web 2.0 abgehalten haben.

Berlin, die Arm-aber-sexy-Frontstadt, kennt auch hier nur Extreme, zumindest wenn man als Freelancer dem Medienproletariat angehört. Entweder gibt es über lange Strecken überhaupt keine Verdienstmöglichkeit, oder man ist voll eingedeckt, und zwar mit Arbeitszeiten, die jede Gewerkschaftsforderung wie Nachrichten aus Lummerland klingen lassen. Den Rest der Zeit ist man eben hirntot.

Die Unregelmäßigkeit der Beiträge in den Headquarters hatte aber auch davor schon Methode. Denn diese sollten nicht nach dem Prinzip vieler anderer Blogs verfasst sein, also als verlinkte Nachrichten und Artikel aus anderen Onlinemedien, die mit einem kurzen Kommentar versehen sind. An dieser Machart ist nichts auszusetzen, nur interessiert sie mich nicht so sehr. Stattdessen sollten hier in Abständen längere Texte zu lesen sein, einigermaßen gut recherchiert und unter Einhaltung dessen, was man als journalistische Standards bezeichnet. Also ein hübscher Arbeitsaufwand. Und das auch noch nicht mal für ein Taschengeld. Denn Werbung wird es hier in absehbarer Zukunft nicht geben.

Was für ein Wahnsinn, schreit da der freie Autor, der die Klinken von Redaktionen putzt, um für das Geld, das er monatlich braucht, genügend Geschichten loszuwerden. 200 Euro für 2000 Zeichen sollten doch drin sein, denkt er sich. Manchmal ist es mehr, öfters, insbesondere bei sogenannten alternativen Publikationen, ist es viel weniger.

Unbehagen über den "Amateurjournalismus" im Web 2.0 löst also nicht nur der "arme tagebuchmimetische Netzdreck" aus, von dem sich Dietmar Dath in einer Vorwegnahme der aktuellen Internet-Schelte seines ehemaligen "FAZ"-Chefs Frank Schirrmacher im Vorwort seiner Artikelsammlung "Heute keine Konferenz" (Suhrkamp, 2007) absetzt, um stattdessen die redaktionellen Filterungssysteme und etablierten Darstellungsformen sogenannter Qualitätszeitungen zu loben, an denen sich der jeweilige Autor dann reiben könne.

Nein, auch die Webseiten, die aufwendiger produziert sind, werden vom kleinen Schreiber auf der Straße mit Argwohn betrachtet: Schließlich sind sie Mitbewerber.

Das Web 2.0 ist offensichtlich keine ökonomiefreie Zone. Auch dort, wo im Internet keine kostenpflichtigen Angebote bestehen, gibt es ja den Konkurrenzkampf, der bekanntlich auf einer "Ökonomie der Aufmerksamkeit" beruht. Zeit ist knapp in der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, daher überlegt sich der Informationskonsument, wie er diese am besten investiert und so weiter und so fort. Man kennt diesen Text seit Mitte der 90er-Jahre, nicht zuletzt aus ungezählten Interviews mit Georg Franck. (Ein Anspieltipp älteren Datums: "Prominente sind die Einkommensmillionäre in Sachen Aufmerksamkeit".)

"Einkommensmillionäre in Sachen Aufmerksamkeit" wird es im Web 2.0 wohl nie geben, dazu ist einfach zu viel am Markt, das wahrgenommen werden möchte – und dies mitunter auch verdient. Die Frage ist auch, ob es tatsächlich alle Blogger darauf angelegt haben, mit ihren Mitteln "berühmt" zu werden.

Am Anfang der Headquarters of Crocodiles standen jedenfalls zwei Wünsche: zum einen, mich mit dem Medium vertraut zu machen, zum anderen, eine Möglichkeit zu finden, jenseits der hirntötenden Medienbrotjobs das Schreiben und Denken in eigener Sache nicht zu verlernen. Und das hat auch ganz gut funktioniert. Die Ergebnisse sind allerdings nicht in erster Linie in der Form von Beiträgen im Blog gelandet, sondern als Ideen und Texte, die sozusagen als Nebeneffekt entstanden sind, auf meiner Festplatte.

Es ist zwar schön, dass Tag für Tag Surfer die älteren Texte des Blogs googlen und aufrufen, aber eine zu große Aufmerksamkeit wäre für meine oben beschriebene Arbeitsweise eher schädlich. Ich könnte mich dann versucht fühlen, nur noch das geweckte Leserinteresse zu bedienen – ein Erfolgsdruck, mit dem ein "Alphablogger" wie Robert Basic sicher zu kämpfen hat, auch wenn er diesen "Dienstleistungsgedanken" in einem Interview vor ein paar Monaten mit den Worten abgewinkt hat: "Auf so was kann nur ein Medienfuzzi kommen. Ich blogge einfach, was mich bewegt."